Ein weißer Pickup voll beladen mit schwerbewaffneten und teilweise vermummten Kämpfern – ein Bild das triggert. Wir denken uns gern noch eine IS-Fahne dazu und haben dann ein fertiges Bild.
Ich habe die aktuell agierenden Sicherheitskräfte erlebt und mir von Begegnungen erzählen lassen.
Um zu verstehen, worum es geht, müssen wir einige Jahre zurück blicken. Mir haben Hassan, Ijad und Khaled einiges erklären können.
Assads Soldaten hatten in den letzten Jahren kaum noch Sold bekommen und waren aufgefordert, sie das notwendige von der Bevölkerung zu erpressen oder zu rauben. Das hat den letzten Rückhalt in der Bevölkerung zerstört. Die Polizisten waren ebenfalls angehalten, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Unter dieser Korruption auf offener Straße hatten viele zu leiden.
Die aktuelle Regierung hat einen anderen Plan. Die Sicherheitskräfte werden anständig bezahlt und gleichzeitig wird Korrution vehement bekämpft. „Nichtmal einen Keks dürfen die nehmen“ höre ich.

Die Jungs bewachen den stillgelegten Hauptbahnhof in Damaskus damit nichts geklaut wird. Vorher war er wohl einer der Idlib-Kämpfer.
Ich habe heute Nacht aber in den Städten auch zwei Checkpoints selbst erlebt. Ich habe diesbezüglich in einigen Ländern Erfahrungen sammeln können und bin in der Lage zu vergleichen. So freundliche Männer mit schussbereiten Maschinenpistolen habe ich noch nirgends erlebt. Dabei haben sie ihren Job sehr gewissenhaft aber zügig erledigt, lächelnd gefragt, mit der Taschenlampe uns in die Gesichter geleuchtet und wir durften weiter fahren. Kein Macho-Gehabe, keine unnötige Machtdemonstration, hier auch keine vermummten Gesichter. Ich habe unseren Fahrer Ijad hinterher gefragt, ob das immer so ist. Ja, zuverlässig, meint er. Er arbeitet auch als Taxifahrer und kennt die Situation ganz gut und erzählt, wenn die mal mit ihrem Fahrzeug einen Schaden verursachen, dann wir das umstandslos geregelt, die Reparatur bezahlt.
Die bewaffneten Sicherheitskräfte am Ortseingang von Dscharamana waren übrigens Drusen. Was vor dem Hintergrund der Presseberichte der letzten Woche ganz interessant ist.
Den Pickup habe ich kurz vor der Syrischen Nationalbank fotografiert, als er einen großen Geldtransport bewachte. Die gehören also nicht allgegenwärtig zum Straßenbild, wie ich bereits erwähnte. Nach einbruch der Dunkelheit allerdings ist die Innenstadt gut bewacht, jede große Kreuzung durch Schicherheitskräfte mit Kalaschnikows besetzt. Im Zweifelsfall fragen die aber eher, ob sie helfen können, wir mir erzählt.
Ich wünsche dem Land, dass die Regierung ihren Plan nicht irgendwann vergisst und dass er aufgeht.