Der Junge muss an die frische Luft

Anfang der 1970er Jahre in der Ruhrgebietsstadt Recklinghausen: Die Familie des achtjährigen Hans-Peter (des späteren Hape) zieht vom Haus der Großeltern väterlicherseits im ländlichen Teil der Stadt in das Haus der Eltern der Mutter im Nordviertel, wo Hans-Peter aufwächst. Seine Oma Änne betreibt ein kleines Lebensmittelgeschäft, nach dem Aufkommen von Discountern und Supermärkten etwas verächtlich als Tante-Emma-Laden bezeichnet. Dort beobachtet er Kunden, hört ihre Klatsch- und Tratschgeschichten und spielt diese dann seiner Oma auf komödiantische Weise vor. Seine Familie bringt er mit seinen Parodien von Menschen aus dem Umfeld oder auch Prominenten aus dem Fernsehen ebenfalls zum Lachen. Sein Vater ist Schreiner und auch oft längere Zeit auf Montage, so dass neben der Hausarbeit auch die Erziehung von Hans-Peter und seinem großen Bruder Matthes meist an Mutter Margret hängen bleibt und sie sich daher überfordert fühlt.

Oma Änne kauft ihren Enkelkindern ein Pferd samt Kutsche und Stall. Als Hans-Peter, ein unsportliches, moppeliges Kind, es trotz Hilfestellung beim ersten Mal nicht gelingt, das Pferd korrekt zu besteigen, kaschiert er einfach seine Ungeschicklichkeit, indem er kurzerhand ein paar Runden falsch herum sitzend reitet, was die ganze Familie belustigt.

Das Zusammenleben der Großfamilie mit Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen verläuft nicht immer reibungslos, ist aber geprägt durch menschliche Wärme und Zusammenhalt, was bei den ausgelassenen und ausschweifenden Familienfeiern zum Ausdruck kommt. Beide Großeltern und besonders die beiden Großmütter kümmern sich liebevoll um die Erziehung des Jungen. Sie sind Bezugspersonen und emotionale Stütze für Hans-Peter. Als er bei einer Karnevalsfeier als Prinzessin verkleidet erscheint, verdrehen einige amüsiert die Augen, aber Oma Bertha erklärt resolut: „Hans-Peter bleibt eben Junggeselle! Und nun ist Schluss!“ Oma Änne sagt ihm kurz vor ihrem Tod sogar eine große Karriere voraus.

Buddenbrooks

Der Roman wurde bereits 19231959 und 1979 verfilmt. Kameramann Gernot Roll übte diese Aufgabe bereits bei der Produktion von 1979 aus. Breloer zufolge entwickelten sie für die Fassung von 2008 ein anderes Kamerakonzept, das dank moderner, beweglicherer Ausrüstung „intensiver an die Gefühle unserer Darsteller herankommen“ sollte.[3] Darsteller Armin Mueller-Stahl meinte: „Eine deutschere Geschichte als die Buddenbrooks gibt es wohl nicht.“ Er schlug eine Rolle in Operation Walküre zugunsten der Buddenbrooks aus und fand diese Entscheidung im Nachhinein „total richtig“.[4] Die Herstellung kostete 16,2 Millionen Euro, für die mitproduzierende Bavaria Film das teuerste Projekt seit Das Boot.[5] Das ermöglichte unter anderem die Rekonstruktion des Buddenbrooks-Hauses in einem Kölner Studio.[4] Seine Uraufführung erlebte der Film am 16. Dezember 2008 in der Lichtburg in Essen in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler, der die gegenwärtigen Deutschen in den Buddenbrooks gespiegelt sah.[6] In den deutschen Kinos sahen bis Ende Juli 2009 über 1,2 Millionen Besucher den Film.[7] Für die vom Fernsehen mitfinanzierte Produktion besteht eine Schnittfassung zur Ausstrahlung als Zweiteiler zu 90 Minuten je Folge.[8] Die deutsche Erstausstrahlung dieser Version erfolgte am 23. Dezember 2010 auf Arte, wo beide Teile hintereinander gezeigt wurden und auf ein reges Zuschauerinteresse gestoßen sind.[9] Eine weitere Ausstrahlung erfolgte am 27. und 28. Dezember 2010 auf Das Erste, wo Einschaltquoten von 3,44 Millionen Zuschauern/9,9 % Marktanteil[10] (Folge 1) und 4,24 Millionen Zuschauern/12,7 % Marktanteil[11] (Folge 2) erzielt werden konnten.

Aus dem Nichts

Eine Frau verliert bei einem Bombenanschlag ihren deutsch-türkischen Mann und ihren Sohn und verfällt in tiefe Depressionen. Die rechtsextremistischen Täter werden vor Gericht gestellt, doch das Verfahren endet mangels Beweisen mit einem Freispruch, was den Glauben der Witwe an den Rechtsstaat zerstört. Der an den NSU-Anschlag 2004 in Köln angelehnte Film wechselt vom Melodram über einen Gerichtsfilm zum Rachethriller, wobei er sich durchgängig auf die Trauernde und ihre Gefühle konzentriert. Zugleich macht er die Wut über die jahrelange Kriminalisierung der Opfer spürbar. Die herausragende Hauptdarstellerin bewahrt den Film jederzeit vor dem Abgleiten in ein plakatives Politdrama.

Auf der anderen Seite

Ein türkischer Witwer in Hamburg nimmt eine Prostituierte bei sich auf. Seinem Sohn, einem Germanistikprofessor, missfällt dies zunächst, nach ihrem Tod macht er sich aber in Istanbul auf die Suche nach der Tochter der Frau. Diese ist aber bereits als Widerstandskämpferin auf der Flucht in Deutschland. Kunstvoll verknüpft Fatih Akin die sechs Episoden seiner Hauptfiguren zu einem Netz, das sich erst am Ende auflöst. Sowohl auf der Dialogebene als auch in der gesamten Anlage der Geschichte findet er eine sehr überzeugende Balance aus Künstlichkeit und Realismus. (teils O.m.d.U.)