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Der Junge muss an die frische Luft
Anfang der 1970er Jahre in der Ruhrgebietsstadt Recklinghausen: Die Familie des achtjährigen Hans-Peter (des späteren Hape) zieht vom Haus der Großeltern väterlicherseits im ländlichen Teil der Stadt in das Haus der Eltern der Mutter im Nordviertel, wo Hans-Peter aufwächst. Seine Oma Änne betreibt ein kleines Lebensmittelgeschäft, nach dem Aufkommen von Discountern und Supermärkten etwas verächtlich als Tante-Emma-Laden bezeichnet. Dort beobachtet er Kunden, hört ihre Klatsch- und Tratschgeschichten und spielt diese dann seiner Oma auf komödiantische Weise vor. Seine Familie bringt er mit seinen Parodien von Menschen aus dem Umfeld oder auch Prominenten aus dem Fernsehen ebenfalls zum Lachen. Sein Vater ist Schreiner und auch oft längere Zeit auf Montage, so dass neben der Hausarbeit auch die Erziehung von Hans-Peter und seinem großen Bruder Matthes meist an Mutter Margret hängen bleibt und sie sich daher überfordert fühlt.
Oma Änne kauft ihren Enkelkindern ein Pferd samt Kutsche und Stall. Als Hans-Peter, ein unsportliches, moppeliges Kind, es trotz Hilfestellung beim ersten Mal nicht gelingt, das Pferd korrekt zu besteigen, kaschiert er einfach seine Ungeschicklichkeit, indem er kurzerhand ein paar Runden falsch herum sitzend reitet, was die ganze Familie belustigt.
Das Zusammenleben der Großfamilie mit Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen verläuft nicht immer reibungslos, ist aber geprägt durch menschliche Wärme und Zusammenhalt, was bei den ausgelassenen und ausschweifenden Familienfeiern zum Ausdruck kommt. Beide Großeltern und besonders die beiden Großmütter kümmern sich liebevoll um die Erziehung des Jungen. Sie sind Bezugspersonen und emotionale Stütze für Hans-Peter. Als er bei einer Karnevalsfeier als Prinzessin verkleidet erscheint, verdrehen einige amüsiert die Augen, aber Oma Bertha erklärt resolut: „Hans-Peter bleibt eben Junggeselle! Und nun ist Schluss!“ Oma Änne sagt ihm kurz vor ihrem Tod sogar eine große Karriere voraus.
Caché
Das Pariser Ehepaar Georges und Anne Laurent scheint ein komfortables und perfektes Leben zu führen. Georges ist Moderator einer populären Literatursendung im französischen Fernsehen, Anne arbeitet für ein Verlagshaus. Beide leben mit ihrem zwölfjährigen Sohn Pierrot, einem talentierten Schwimmer, in einem geräumigen Stadthaus in einer ruhigen kleinen Straße der französischen Hauptstadt. Nichts scheint das Idyll trüben zu können, doch Georges und Anne finden ein mysteriöses Päckchen auf ihrer Türschwelle. Es enthält eine Videokassette mit Ansichten ihres Hauses, über einen Zeitraum von zwei Stunden von der gegenüberliegenden Straßenseite aus aufgenommen – ein Unbekannter hat Georges und seine Familie heimlich auf Film gebannt, ohne einen Hinweis auf seine Identität oder Beweggründe zu hinterlassen. Georges beunruhigt dieser Vorfall mehr als Anne, die an einen verrückten Fan ihres Mannes als Urheber der Filmaufnahmen glaubt. Die Laurents unternehmen zunächst nichts, bis sie kurze Zeit später ein zweites Videoband erreicht. Diesem ist eine grobe Zeichnung beigelegt, die ein Kind zeigt, aus dessen Mund Blut fließt. Nun häufen sich auch anonyme Anrufe. Georges wendet sich an die Polizei, doch sieht diese in den mysteriösen Botschaften keine direkte Bedrohung und deshalb auch keinen Grund, Ermittlungen einzuleiten.
Buddenbrooks
Der Roman wurde bereits 1923, 1959 und 1979 verfilmt. Kameramann Gernot Roll übte diese Aufgabe bereits bei der Produktion von 1979 aus. Breloer zufolge entwickelten sie für die Fassung von 2008 ein anderes Kamerakonzept, das dank moderner, beweglicherer Ausrüstung „intensiver an die Gefühle unserer Darsteller herankommen“ sollte.[3] Darsteller Armin Mueller-Stahl meinte: „Eine deutschere Geschichte als die Buddenbrooks gibt es wohl nicht.“ Er schlug eine Rolle in Operation Walküre zugunsten der Buddenbrooks aus und fand diese Entscheidung im Nachhinein „total richtig“.[4] Die Herstellung kostete 16,2 Millionen Euro, für die mitproduzierende Bavaria Film das teuerste Projekt seit Das Boot.[5] Das ermöglichte unter anderem die Rekonstruktion des Buddenbrooks-Hauses in einem Kölner Studio.[4] Seine Uraufführung erlebte der Film am 16. Dezember 2008 in der Lichtburg in Essen in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler, der die gegenwärtigen Deutschen in den Buddenbrooks gespiegelt sah.[6] In den deutschen Kinos sahen bis Ende Juli 2009 über 1,2 Millionen Besucher den Film.[7] Für die vom Fernsehen mitfinanzierte Produktion besteht eine Schnittfassung zur Ausstrahlung als Zweiteiler zu 90 Minuten je Folge.[8] Die deutsche Erstausstrahlung dieser Version erfolgte am 23. Dezember 2010 auf Arte, wo beide Teile hintereinander gezeigt wurden und auf ein reges Zuschauerinteresse gestoßen sind.[9] Eine weitere Ausstrahlung erfolgte am 27. und 28. Dezember 2010 auf Das Erste, wo Einschaltquoten von 3,44 Millionen Zuschauern/9,9 % Marktanteil[10] (Folge 1) und 4,24 Millionen Zuschauern/12,7 % Marktanteil[11] (Folge 2) erzielt werden konnten.
Battle for Haditha
Eine Einheit des United States Marine Corps, geführt von Cpl. Ramirez, der ehemalige irakische Soldat Ahmad und der Junge Jafer sowie das irakische Liebespaar Hadid und Rashied bilden die drei ineinander verwobenen Handlungsstränge des Films. Ahmad und Jafer platzieren gegen Geld für Terroristen der al-Qaida eine Sprengfalle in einer Straße neben dem Haus von Rashieds Familie, in dem auch Hadid wohnt. Sie warten verborgen eine Gelegenheit ab, diese zu zünden und gefährden damit auch die in der Nähe wohnende Zivilbevölkerung, die davon erfährt, jedoch aus Angst vor terroristischer Vergeltung schweigt. Der Konvoi von Ramirez nähert sich der Sprengfalle. Kurz bevor die Sprengfalle gezündet wird, signalisieren die Marines einem Taxi, anzuhalten. Ahmad zündet den Sprengsatz, der einen US-Marine tötet. Die Marines liefern sich ein Feuergefecht mit Ahmad und Jafer, die entkommen können. Daran anschließend lässt Ramirez die Insassen des Taxis aussteigen und erschießt sie. Unter seiner Führung stürmen die Marines die Nachbarhäuser und richten ein Massaker unter den Bewohnern an. Rashied wird ebenfalls erschossen, als er zum Haus seiner Familie rennt, um nach Hadid zu sehen. Ramirez hat Schwierigkeiten, das erlebte zu verarbeiten. Zusammen mit drei weiteren Marines muss er sich später für seine Taten verantworten.
Aus dem Nichts
Eine Frau verliert bei einem Bombenanschlag ihren deutsch-türkischen Mann und ihren Sohn und verfällt in tiefe Depressionen. Die rechtsextremistischen Täter werden vor Gericht gestellt, doch das Verfahren endet mangels Beweisen mit einem Freispruch, was den Glauben der Witwe an den Rechtsstaat zerstört. Der an den NSU-Anschlag 2004 in Köln angelehnte Film wechselt vom Melodram über einen Gerichtsfilm zum Rachethriller, wobei er sich durchgängig auf die Trauernde und ihre Gefühle konzentriert. Zugleich macht er die Wut über die jahrelange Kriminalisierung der Opfer spürbar. Die herausragende Hauptdarstellerin bewahrt den Film jederzeit vor dem Abgleiten in ein plakatives Politdrama.
Amundsen
Drama um den norwegischen Polarforscher Roald Amundsen (1872-1928), der u.a. damit Geschichte schrieb, dass er am 14.12.1911 das erste Expeditionsteam anführte, das den Südpol erreichte. Der Film konzentriert sich nicht nur auf die abenteuerlichen Aspekte von Amundsens Biografie, sondern versucht sich an einem umfassenden Lebensbild des von Jugend an von den Eislandschaften faszinierten Entdeckers, wobei er dessen Pionier-Leistungen würdigt, zugleich aber auch einen kritischen Blick auf Amundsens Persönlichkeit und den von Nationalismus und kolonialem Eroberungswillen geprägten Zeitgeist ins Spiel bringt. Wenn auch dramaturgisch mitunter durch die Arbeit mit Rahmenhandlung und Rückblenden etwas behäbig, eröffnet der Film doch eine lohnende Auseinandersetzung mit dem norwegischen Nationalhelden und seiner Epoche.
Auf der anderen Seite
Ein türkischer Witwer in Hamburg nimmt eine Prostituierte bei sich auf. Seinem Sohn, einem Germanistikprofessor, missfällt dies zunächst, nach ihrem Tod macht er sich aber in Istanbul auf die Suche nach der Tochter der Frau. Diese ist aber bereits als Widerstandskämpferin auf der Flucht in Deutschland. Kunstvoll verknüpft Fatih Akin die sechs Episoden seiner Hauptfiguren zu einem Netz, das sich erst am Ende auflöst. Sowohl auf der Dialogebene als auch in der gesamten Anlage der Geschichte findet er eine sehr überzeugende Balance aus Künstlichkeit und Realismus. (teils O.m.d.U.)