von

Jarmuk

Ich wünsche mir manchmal, dass die Dinge einfacher wären, so simpel, dass auch ich sie verstehe.

Ruinen in Jarmuk

Meine Beklommenheit wird vielleicht dadurch verstärkt, dass Nours Bruder Diaa hier zuletzt gesehen wurde. Aber diese fast totale Verwüstung allein schon läßt den Atem stocken.

Jarmuk war ursprünglich ein palästinensisches Flüchtlingslager von der Größe einer Großstadt. Längst lebten aber auch Tausemde Syrer hier. Die Reste von weggesprengten Bürgersteigen und die übriggebliebenen̈ Fassade lassen erahnen, wie in Ordnung hier einmal alles war. Wir stehen auf der Jarmukstraße, einer der Hauptstraßen und Nour erzählt, dass man gern hierher kam, auch wenn man gar nichts einkaufen, sondern nur flanieren wollte.

Es gab auch ein gut funktionierendes Krankenhaus.

Dann griet alles aus den Fugen. Es gab Beschuss von allen Seiten, Aushungern durch Blockade, es gab IS und Fassbomben auf das Wohngebiet, es gab ermordete Zivilisten, getötete Kämpfer und unendlich viel Leid. Der UN-Generalsekretär beschrieb es als Hölle und es blieben Trümmer, Verletzungen und die Trauer derer, die ihre Angehörigen oder Freunde verloren. Nours Familie hatte noch eine kleine Hoffnung, nach Öffnung der Gefängnisse Diaa wiederzusehen oder wenigstens eine Spur zu finden. Diese Wünsche haben sich nicht erfüllt.

 

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